Mit ‘Afrika’ getaggte Beiträge

Notizen zu einem Vortrag von Uwe Kekeritz, MdB (Die Grünen), den im am 24.1.2013 im JCT-Gymnasium in Lauf besucht habe. Ich schreibe hier aus dem Gedächtnis, es kann also sein, dass ich etwas vergessen habe.

Entwicklungshilfe vs. Entwicklungszusammenarbeit

Kekeritz sieht einen Unterschied zwischen Entwicklungshilfe, wie sie bis vor ca 10 Jahren praktiziert wurde, und Entwicklungszusammenarbeit, wie sie heute mehr und mehr praktiziert wird.

  • Entwicklungshilfe: Der reiche Westen ist der Geber, der anschafft, wo es hingeht. Die Entwicklungsländer sind die demütigen Hilfeeempfänger, die über sich bestimmen lassen müssen.
  • Entwicklungszusammenarbeit: Reiche und arme Länder stehen sich gleichberechtigt gegenüber und verhandeln auf Augenhöhe Verträge zum wirtschaftlichen Austausch, die beiden Parteien nutzen. ENtwicklungsländer haben Würde, Selbstbewusstsein und Rohstoffe, die auf dem Markt gehandelt werden können.

Kekeritz sieht ein großen Problem darin, dass der Westen (ich verwende diesen Ausdruck hier Kurzform für die reichen Länder ) unaufrichtig handelt. Zum einen sei man gegen Kinderarbeit, Armut und Ausbeutung, zum anderen zwinge er die armen Ländern zu unfairem Handel. Als Beispiel dafür nennt der den Handel mit Hähnchenfleisch:

Das Hähnchenproblem:

  • Deutsche essen in erster Linie Hähnchenbrust. Bis ca 1995 wurde der Rest von Hähnchen oft schlicht weggeworfen. Dann kam man auf die Idee, die Hähnchenreste nach Afrika zu exportieren, da dort auch andere Hähnchenteile gerne gegessen werden. Das war zu Dumpingpreisen möglich, da die Hähnchenproduktion in Europa hoch subventioniert ist und ein geringer Preis für die Hähnchenteile für den deutschen Produzenten immer noch besser war als kein Erlös, wenn die Reste entsorgt werden.
  • Der billige Export zerstört die Hähnchenproduktion in Afrika (Ghana wird als Beispiel genannt). Die ghanaische Regierung nutzt das Welthandelsabkommen, das ihr erlaubt, Einführzölle von 90% zu verlangen, damit die Importware teuer und die heimische Produktion geschützt wird.
  • Kurze Freude in Ghana, bis die WTO (World Trade Organisation) und die Weltbank vorstellig werden und vorrechnen, dass die Kredite an Ghana gekündigt werden könnten und Ghana sofort zurückzahlen müsse. Falls Ghana allerdings die Schutzzölle wieder sein lasse, dann könne man über die  Kredite noch mal reden. Ghana rechnet sich  aus, dass es billiger ist, die heimische Hähnchenproduktion zerstören zu lassen, dafür aber die Kredite nicht zurückzahlen zu müssen. Ähnliche Geschichten lassen sich über Milchpulver aus deutscher Produktion erzählen.
  • Kurz und gut: WTO und Weltbank, die Organisationen, die eigentlich für bessere Marktchancen für Entwicklungsländer sorgen sollten, vertreten einseitig die Interessen des Westens.

Probleme beim Status Quo

  • Resultat solcher Praktiken ist, dass heute 48 Länder dauerhaft auf Nahrungshilfe angewiesen sind. 1960 konnte jedes Land der Erde sich selbst ernähren (gelegentliche und zeitlich und regional begrenzte  Hungersnöte wurden dabei als normal angesehen). Der Hunger in der Welt hat sich also vergrößert, nicht verkleinert.
  • Kekeritz ist auch skeptisch, was die teilweise positiven Nachrichten über die Erfüllung der Millenium Development Goals angeht: Auf dem Papier sehe manches gut aus, die Zahlen seien aber oft massiert: So ist die Einschulungsquote von Kinder stark angestiegen, das bedeute jedoch nicht, dass die Kinder nach der Einschulung die Schule tatsächlich auch besuchen oder gar eine richtige Ausbildung erhalten.
  • Besonders die deutsche Regierung stellt sich zu oft auf die Seite der deutschen Wirtschaft und torpediert internationale Bemühungen zu mehr Transparenz im Handel. Wenn die Geschäftszahlen und Geschäftsbewegungen aber veröffentlicht würden, würde Korruption erschwert, da auch in Entwicklungsländern jeder nachvollziehen könnte, welche Wege das Geld nimmt. Sind Firmen nicht transparent, fördert das die Möglichkeit zur Korruption (man kann ja mal schnell bestechen, um einen lukrativen Vertrag zu bekommen, das merkt ja keiner), deren Bekämpfung eigentlich ein vordringliches Ziel des Westens sein sollte.
  • Entwickungshilfe ist zu einem Business geworden. Nach Katastrophen konkurrieren NGOs aus verschiedenen Ländern um Projekte und Aufträge – oft zum Nachteil der Menschen, denen eigentlich geholfen werden sollte. Letzlich gehe es auch hier um Arbeitsplätze für Entwicklungshelfer, die geschützt werden müssten.

Lösungsansätze

Kekeritz nennt einige Ansätze, wie mehr internationale Gerechtigkeit erreicht werden könne:

  • Jeder solle Fair Trade Produkte kaufen wo möglich. Bei Kleidung sei das Angebot noch sehr gering, Sensibilität bei diesem Thema sei notwendig. Oft sei der Ankauf in Second Hand läden eine gute, ökologische Alternative.
  • Man solle regional kaufen wo möglich, damit sowohl in Entwicklungsländer als auch im Westen regionale Wirtschaftkreisläufe in Gang kommen bzw. erhalten werden.
  • Man solle auch im Großen auf faire Beschaffung achten, zum Beispiel bei Einfuhr von Holz oder Steinen. Im Moment gebe es zwar noch viel Missbrauch, zum Beispiel bei Siegeln für Steine, die Kinderarbeit freie Produkte versprechen, diese Standards aber nicht wirklich einhalten. Dennoch sei ein solcher Zertifizierungsprozess ein notwendiger erster Schritt, um eine Sensibilisierung für solche Themen und eine Nachvollziehbarkeit der Produktionskette erst zu erreichen.

Mein Resumee

Kekeritz‘ Argumentation ist entgegengesetzt zu der, die fordert „den armen Menschen dort doch endlich durch Spenden zu helfen“ und basiert auf der Annahme, dass die Entwicklungsländer für sich selbst sorgen können, sobald sie faire Bedingungen vorfinden. Ich habe mich mit dieser Frage beschäftigt, aber nur so weit, wie ich mich aus der Presse informieren konnte. Wenn ich also von meinem Kenntnisstand ausgehe, würde ich Kekeritz zustimmen. Konsequenz ist dann, dass ich diejenigen unterstützen muss, die sich für einen wirklich gerechten Welthandel einsetzen.

Wie ich das im Großen tun kann, weiß ich noch nicht, da muss ich erst noch recherchieren. Wen wählen, wem mein Geld geben, wem es entziehen?

Im Kleinen muss ich noch mehr auf Fair Trade Produkte achten. Bei Nahrungsmitteln ist das kein so großes Problem, da ich nur wenige Produkte aus Entwicklungsländern regelmäßig kaufe. Trotzdem hier mal vergewissern, was alles woher kommt!

Eine ganz andere Geschichte ist der Ankauf von Kleidung! Ich kaufe gelegentlich second hand, nähe einiges selbst, aber der Großteil meiner Kleidung kommt – natürlich- aus China, Bangladesh, Indien etc. Ich weiß,  dass ich beim Tragen solcher Kleidung kein gutes Gewissen haben kann, (siehe hier und tausende weitere Artikel),  und trotzdem tue ich es. Wenn ich mit mir und meinen gefühlten moralischen Standards ehrlich sein möchte, dann muss ich hier etwas ändern. Eigentlich weiß ich auch schon, was: Weniger Kleidung kaufen, diese bewusster kaufen. Weniger Schuhe – Zalando ade!
Bin selbst schon gespannt, ob und wie der Einsicht auch das Handeln folgt…

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Reading Tip: The Memory of Love by Aminatta Forna

Veröffentlicht: September 30, 2012 in Idle speech
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For reasons that I don’t remember I have been interested in Africa ever since I was a teenager. For a long time I have thought that what we in Germany learn about Africa is rather one-sided: there are the images of starving children with distended bellies, flies swarming around their eyes that populate our TV screesn with shocking frequency, the pictures of the most violent wars and their consequences, or alternatively the cliched African who loves dancing and is ever so friendly but who for the life of him can’t stick to a schedule. In the end of the day this restricted view of Africa can’t be the whole story and that’s one reason why I like reading books by African authors who can tell us more about the complexities of life on that continent.

The last book that has absolutely fascinated me is by such an author: Aminatta Forna, who was born in Scotland, lived in Sierra Leone, the birth country of her father, for many years and now resides in London.

Her novel „The Memory of Love“ takes the reader to Freetown, the capital of Sierra Leone on the West African coast and makes him experience life there through the eyes of two protagonists: Adrian, an English psychologist from London on secondment to an African hospital where it is his task to help people who are suffering from the effects of  a drawn-out and bloody civil war. He befriends Kai, a young surgeon from the same  Freetown hospital who escapes his own demons through work. Through the treatment of his patients, Adrian learns about the country’s past and about the fact that there is much more to peace than simply the end of fighting. There is one patient especially who has blood on his hands – not a lot of blood, considering the awful events that have wrecked Sierra Leone, but enough to want to rewrite the story of his life and who enlists Adrian’s help to do so. Then there is a love that both unites and tears apart Adrian and Kai and that leads to a conclusion that is so painful it made me gasp.

Aminatta Forna treats many issues that were new for me: for example the question whether people from the rich West who come to Africa to work for development agencies are actually helping Africans or rather themselves. Forna does not seem to be to keen on the often patronising way aid is given to poor countries and has some answers that question our received wisdom that „if Africans only did as we do, things would work much better“. I knew a little bit about the civil war in Sierra Leone and while Forna does not attempt to explain the reasons behind it (she is a novelist, not a historian after all) I have learnt a lot about what war destroys besides lives and property. I assume these lessons are universal and as true for survivours of present day conflicts as they are for the characters in „Memory of Love“.  And finally, the story works simple as a sort of who dunnit in reverse, where the perpetrator is clear from the start but the source and nature of the crime only becomes obvious throughout the story.

The author weaves the different strands of her story together in the most intricately written, beautiful prose that is complex but never complicated. I have found the book a real page turner and thought-provoking well beyond the last page.
„Ancestor Stones“, another novel by Forna which was awarded the German Liberaturpreis in 2008, is on my bedside table next!

When death is what WILL happen

Veröffentlicht: Juli 12, 2011 in Idle speech
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Okay, this has nothing to do with school. I know, this is meant to be a school-related blog, but I think the impending death of many thousands of men, women and children is worth making an exception.

Today I would like to write about the drought and food crisis in Somalia and other East African countries. The German press has started reporting on this in force over the last few days, but as so often when issues outside Europe and America are concerned, they have been quite slow on the uptake – the British media have been on the case for a while. So for everybody who is not quite sure what I am on about, here’s what:

The last few rainy periods in Somalia, Ethiopia and Kenia have failed and this has resulted in a failure of the last few harvests and depletion of grazing grounds.  As a consequence, many of the nomad families have lost their livestock (cattle, goats, etc.) and hundreds of thousand of families are going hungry. (Information about this can be found here in English and here in German.)
Because Somalia is classified as a failed state, with no functioning government, no security and no infrastructure of any kind, many people have had to flee their country and now live in refugee camps in neighbouring Kenya. The largest camp, which was designed for 90.000 people, now houses 400.000 refugees and not surprisingly the conditions there are terrible. Not just overcroweded-terrible, but people-are-actually-dying-from-starvation-and disease-terrible.
The crisis is regarded as the biggest famine for decades – and the reason I am writing all this is because I would like to ask you to do your bit to help the starving people there. You can donate money here.

Now, many people will already have cared enough to donate, but many will not. Most of those do have reasons not to donate.

  • They may say that it makes no sense giving money to regimes run by warlords who squander any funds on more weapons to terrorize their people. They even say that more catastrophies are caused by those warlords rather than actual food shortages.
    Of course, there is a lot of truth in that, but not this time! This famine is due to bad weather,  a lack of rain. Whether this has anything to do with climate change is not something I could decide, but if it has, it could well be argued, that we, the West, are partly to blame for the famine. After all, it was us who caused all the carbon emissions to create our lifestyle of abundancy – and countries such as the East African ones are now paying a very high price for our life of luxury.
    Moreover, most of the emergency help that you will donate for will go to the refugee camps in Kenia – you will not be funding more Somali pirates!
  • Many people say that life is hard in our country for many people too, and we should care for our own before we try to change the world.
    Great point – but I have a feeling that many people are not falling over themselves to improve the conditions here in Germany either, so that argument does not hold a lot of water.  And although I don’t want to belittle any of the problems in our country, people in the refugee camps will be dead without help, parents will be mourning their dead children while being too weak to even comfort their remaining ones in their dying hours. Children will roam the streets as orphans and soon die themselves, through starvation, disease or violence – the horror has such biblical proportions!
  • A lot of people have no money to spare and so no money to donate.
    If you have no money, then you have no money and no more needs to be said about it. But what if a smoker did without one pack of cigarettes? What if a drinker did without two beers? What if you did not have two coffees, a few ice creams, one cocktail etc?
    If everybody who can afford cigarettes, drink, coffee, ice cream, cocktails etc. saved only 5 Euros and 10 people got together to donate 50 Euros together (don’t go and donate only 5 Euros individually as I believe the handling costs of the transaction are too high to make the donation significant), then you could really make a difference.

So please, do try and help where you can!

Thank you!