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NSU-Prozess: Zum Schimpf noch die Schande

Veröffentlicht: März 27, 2013 in Lehrlauf
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Anhand dessen, was im Vorfeld zum NSU-Prozess im Moment abläuft, möchte man doch verzweifelt den Kopf schütteln!

Zur Erinnerung: Für den Prozess wurden 50 Journalisten akkreditiert, ihnen also ein fester Platz im Gerichtssaal als Prozessbeobachter zugeteilt. Dabei bei diesem wohl wichtisten und international mit dem größten Interesse verfolgten Prozess sind jetzt Journalisten der wichtigen deutschen regionalen und überregionalen Zeitungen, verschiedene Reporter der ARD aus mehreren der deutschen Rundfunkanstalten, deutsche Fernsehsender – und eine niederländischer Journalist. Ja, richtig gelesen: Der gesamte Rest der Welt ist vertreten durch einen Journalisten aus den Niederlanden! Nun habe ich keinerlei Verdacht, dass der Holländer seine Arbeit nicht hervorragend machen wird, aber dennoch finde ich es im höchsten Maße unglücklich, dass andere ausländische Presseleute, allen voran von türkischen Medien, keinen Platz bekommen haben.

Das Akkreditierungsverfahren sei absolut fair gewesen, „Wer zuerst kommt, mahlt zuerst“, so sagt das Gericht und außerdem gehe es rechtlich nicht anders. Klar ist es von äußerster Wichtigkeit, dass bei diesem Prozess alles mit rechten Dingen zugeht, aber etwas anders ginge es schon: Typischerweise werden Journalisten entweder nach der vom Gericht benutzen Verfahrensweise des Müllers zugelassen oder per Losverfahren. Was hätte dagegen gesprochen, aus all den Anmeldungen auszulosen anstatt sich das Geschmäckle zu geben, die Ausländer zu benachteiligen?

Ja, dann hätten sich die Türken hat schneller anmelden müssen, die Regeln waren doch für alle gleich, hört man da die Verteidigung des Gerichts. Sehr aufschlussreich ist da, was der Gerichtsreporter des Bayerischen Rundfunks heute erzählt hat: Ein Kollege, der sich wenige Minuten nach Beginn der Akkreditierung angemeldet hat, landete bereits auf Platz 13 von 50. Vermutlich war also das Kontingent nach wenigen Stunden bereits voll. Selbst Schuld, die Türken, Amis, Briten etc. usw., dass sie in ihrem Ausland nicht rund um die Uhr des Deutschen kundige und akkreditierungsbefugte Leute sitzen haben? So einen Unterton hört man da aus dem Münchner Oberlandesgericht.

Nein, das kann nicht die richtige Vorgehensweise sein, zumal es (so oben zitierter Gerichtsreporter) an deutschen Gerichten durchaus Präzedenzfälle gibt, bei denen für ausländischen Reporter ein Kontingent eingerichtet wurde. Nun kann man angeblich nicht mehr zurück, auch akkreditierte Journalisten können nicht zu Gunsten ausländischer Kollegen verzichten, die Rechtslage! Natürlich ist es nicht Aufgabe eines deutschen Gerichtes, eine Schauprozess für die (internationale) Öffentlichkeit abzuhalten. Mit typisch deutscher Bürokratie und Prinzipienreiterei die offensichtlich schlechteste der möglichen Lösungen zu wählen und damit dem Ruf Deutschlands in der Welt zu schaden sollte seine Aufgabe aber auch nicht sein!

Ich hänge nicht der Verschwörungstheorie an, dass das Gericht absichtlich die Ausländer fern gehalten hat, sondern vermute eher, dass die Richter in ihrem Elfenbeinturm die Tragweite ihres Verhaltens nicht richtig eingeschätzt haben. Aber wie wäre es im umgekehrten Fall: In der Türkei wären Deutsche aus terroristischen Gründen ermordet worden und die Ermittler hätten sich so dumm angestellt, dass man sich fragen müsste, ob Dummheit und Absicht nicht ein Paar Stiefel sind. Und jetzt kämen ins Gericht deutsche und andere ausländische Reporter gar nicht rein, oder müssten auf gut Glück sehen, ob sie einen der wenigen Besucherplätze ergattern könnten. Da wäre was los in der deutschen Öffentlichkeit! Wir wären empört! Zu Recht, wie ich finde – und natürlich ist Empörung und Unverständnis jetzt auch groß.

Auf dem NSU-Prozess lastet ein Schandfleck, noch bevor er begonnen hat.

Schlittenfahren

Veröffentlicht: Januar 26, 2013 in Lehrlauf
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Schneller, schneller, schneller,
Schnee im Auge, Augenschnee
Schneller, schneller
Maulwurfshügel, Vorsicht aaaaaah!!!
Schneller, schneller, schneller,
Erster!

Wieder rauf.
Puuh…
Ziehst du mir du spinnst

Wieder runter
schneller, schneller
Poporutscher, Mütze weg
Schneller, schneller
Rums!

Meine Hände rotgefroren
Einmal noch und
Schneller, schneller
Brrrrrr – uuuund
Schneller, schneller, um die Wette
Noch ein letztes Mal!

Notizen zu einem Vortrag von Uwe Kekeritz, MdB (Die Grünen), den im am 24.1.2013 im JCT-Gymnasium in Lauf besucht habe. Ich schreibe hier aus dem Gedächtnis, es kann also sein, dass ich etwas vergessen habe.

Entwicklungshilfe vs. Entwicklungszusammenarbeit

Kekeritz sieht einen Unterschied zwischen Entwicklungshilfe, wie sie bis vor ca 10 Jahren praktiziert wurde, und Entwicklungszusammenarbeit, wie sie heute mehr und mehr praktiziert wird.

  • Entwicklungshilfe: Der reiche Westen ist der Geber, der anschafft, wo es hingeht. Die Entwicklungsländer sind die demütigen Hilfeeempfänger, die über sich bestimmen lassen müssen.
  • Entwicklungszusammenarbeit: Reiche und arme Länder stehen sich gleichberechtigt gegenüber und verhandeln auf Augenhöhe Verträge zum wirtschaftlichen Austausch, die beiden Parteien nutzen. ENtwicklungsländer haben Würde, Selbstbewusstsein und Rohstoffe, die auf dem Markt gehandelt werden können.

Kekeritz sieht ein großen Problem darin, dass der Westen (ich verwende diesen Ausdruck hier Kurzform für die reichen Länder ) unaufrichtig handelt. Zum einen sei man gegen Kinderarbeit, Armut und Ausbeutung, zum anderen zwinge er die armen Ländern zu unfairem Handel. Als Beispiel dafür nennt der den Handel mit Hähnchenfleisch:

Das Hähnchenproblem:

  • Deutsche essen in erster Linie Hähnchenbrust. Bis ca 1995 wurde der Rest von Hähnchen oft schlicht weggeworfen. Dann kam man auf die Idee, die Hähnchenreste nach Afrika zu exportieren, da dort auch andere Hähnchenteile gerne gegessen werden. Das war zu Dumpingpreisen möglich, da die Hähnchenproduktion in Europa hoch subventioniert ist und ein geringer Preis für die Hähnchenteile für den deutschen Produzenten immer noch besser war als kein Erlös, wenn die Reste entsorgt werden.
  • Der billige Export zerstört die Hähnchenproduktion in Afrika (Ghana wird als Beispiel genannt). Die ghanaische Regierung nutzt das Welthandelsabkommen, das ihr erlaubt, Einführzölle von 90% zu verlangen, damit die Importware teuer und die heimische Produktion geschützt wird.
  • Kurze Freude in Ghana, bis die WTO (World Trade Organisation) und die Weltbank vorstellig werden und vorrechnen, dass die Kredite an Ghana gekündigt werden könnten und Ghana sofort zurückzahlen müsse. Falls Ghana allerdings die Schutzzölle wieder sein lasse, dann könne man über die  Kredite noch mal reden. Ghana rechnet sich  aus, dass es billiger ist, die heimische Hähnchenproduktion zerstören zu lassen, dafür aber die Kredite nicht zurückzahlen zu müssen. Ähnliche Geschichten lassen sich über Milchpulver aus deutscher Produktion erzählen.
  • Kurz und gut: WTO und Weltbank, die Organisationen, die eigentlich für bessere Marktchancen für Entwicklungsländer sorgen sollten, vertreten einseitig die Interessen des Westens.

Probleme beim Status Quo

  • Resultat solcher Praktiken ist, dass heute 48 Länder dauerhaft auf Nahrungshilfe angewiesen sind. 1960 konnte jedes Land der Erde sich selbst ernähren (gelegentliche und zeitlich und regional begrenzte  Hungersnöte wurden dabei als normal angesehen). Der Hunger in der Welt hat sich also vergrößert, nicht verkleinert.
  • Kekeritz ist auch skeptisch, was die teilweise positiven Nachrichten über die Erfüllung der Millenium Development Goals angeht: Auf dem Papier sehe manches gut aus, die Zahlen seien aber oft massiert: So ist die Einschulungsquote von Kinder stark angestiegen, das bedeute jedoch nicht, dass die Kinder nach der Einschulung die Schule tatsächlich auch besuchen oder gar eine richtige Ausbildung erhalten.
  • Besonders die deutsche Regierung stellt sich zu oft auf die Seite der deutschen Wirtschaft und torpediert internationale Bemühungen zu mehr Transparenz im Handel. Wenn die Geschäftszahlen und Geschäftsbewegungen aber veröffentlicht würden, würde Korruption erschwert, da auch in Entwicklungsländern jeder nachvollziehen könnte, welche Wege das Geld nimmt. Sind Firmen nicht transparent, fördert das die Möglichkeit zur Korruption (man kann ja mal schnell bestechen, um einen lukrativen Vertrag zu bekommen, das merkt ja keiner), deren Bekämpfung eigentlich ein vordringliches Ziel des Westens sein sollte.
  • Entwickungshilfe ist zu einem Business geworden. Nach Katastrophen konkurrieren NGOs aus verschiedenen Ländern um Projekte und Aufträge – oft zum Nachteil der Menschen, denen eigentlich geholfen werden sollte. Letzlich gehe es auch hier um Arbeitsplätze für Entwicklungshelfer, die geschützt werden müssten.

Lösungsansätze

Kekeritz nennt einige Ansätze, wie mehr internationale Gerechtigkeit erreicht werden könne:

  • Jeder solle Fair Trade Produkte kaufen wo möglich. Bei Kleidung sei das Angebot noch sehr gering, Sensibilität bei diesem Thema sei notwendig. Oft sei der Ankauf in Second Hand läden eine gute, ökologische Alternative.
  • Man solle regional kaufen wo möglich, damit sowohl in Entwicklungsländer als auch im Westen regionale Wirtschaftkreisläufe in Gang kommen bzw. erhalten werden.
  • Man solle auch im Großen auf faire Beschaffung achten, zum Beispiel bei Einfuhr von Holz oder Steinen. Im Moment gebe es zwar noch viel Missbrauch, zum Beispiel bei Siegeln für Steine, die Kinderarbeit freie Produkte versprechen, diese Standards aber nicht wirklich einhalten. Dennoch sei ein solcher Zertifizierungsprozess ein notwendiger erster Schritt, um eine Sensibilisierung für solche Themen und eine Nachvollziehbarkeit der Produktionskette erst zu erreichen.

Mein Resumee

Kekeritz‘ Argumentation ist entgegengesetzt zu der, die fordert „den armen Menschen dort doch endlich durch Spenden zu helfen“ und basiert auf der Annahme, dass die Entwicklungsländer für sich selbst sorgen können, sobald sie faire Bedingungen vorfinden. Ich habe mich mit dieser Frage beschäftigt, aber nur so weit, wie ich mich aus der Presse informieren konnte. Wenn ich also von meinem Kenntnisstand ausgehe, würde ich Kekeritz zustimmen. Konsequenz ist dann, dass ich diejenigen unterstützen muss, die sich für einen wirklich gerechten Welthandel einsetzen.

Wie ich das im Großen tun kann, weiß ich noch nicht, da muss ich erst noch recherchieren. Wen wählen, wem mein Geld geben, wem es entziehen?

Im Kleinen muss ich noch mehr auf Fair Trade Produkte achten. Bei Nahrungsmitteln ist das kein so großes Problem, da ich nur wenige Produkte aus Entwicklungsländern regelmäßig kaufe. Trotzdem hier mal vergewissern, was alles woher kommt!

Eine ganz andere Geschichte ist der Ankauf von Kleidung! Ich kaufe gelegentlich second hand, nähe einiges selbst, aber der Großteil meiner Kleidung kommt – natürlich- aus China, Bangladesh, Indien etc. Ich weiß,  dass ich beim Tragen solcher Kleidung kein gutes Gewissen haben kann, (siehe hier und tausende weitere Artikel),  und trotzdem tue ich es. Wenn ich mit mir und meinen gefühlten moralischen Standards ehrlich sein möchte, dann muss ich hier etwas ändern. Eigentlich weiß ich auch schon, was: Weniger Kleidung kaufen, diese bewusster kaufen. Weniger Schuhe – Zalando ade!
Bin selbst schon gespannt, ob und wie der Einsicht auch das Handeln folgt…

Servicewüste Deutschland? Kundenwüste Deutschland!

Veröffentlicht: Dezember 2, 2012 in Lehrlauf
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OMG!!! O-M-G!!! Wenn es Großbuchstaben nicht gäbe, müsste man sie hierfür geradezu erfinden!

Geh ich doch letzthin in ein Geschäft eines bekannten mittelfränkischen Sportartikelherstellers auf der Suche nach einem Weihnachtsgeschenk. Schon am Eingang werde ich freundlich aber unaufdringlich vom Personal begrüßt. Ich leicht verwirrt.

Dann fragt mich wer, ob er helfen kann. Ich werde schon etwas nervös.

Als ich Pullover angucke, kommt ein junger Mann und fragt, ob ich alle Größen finde, ob er mir was bringen kann oder sonst irgenwie helfen. Ich, schon etwas defensiv, murmle was von wegen passt schon, komme zurecht in mich hinein (obwohl ich eigentlich eine andere Größe gebraucht hätte, aber da kann man sich jetzt keine Blöße geben!!).

Nach einer Weile kommt ein Kollege freundlich lächelnd, fragt, ob ich schon was gefunden habe – ich gebe auf!!! Kleinlaut und rückwärts verlasse ich das Geschäft, ohne Geschenk.

Ich glaube, für richtigen Service hab ich gar nicht die Nerven! Ich geh ins Kaufhaus, da ignoriert einen das Personal, wenn’s nicht gerade über die Zumutung stöhnt, jetzt kassieren zu müssen. Da ist die schöne deutsche Service-Welt noch in Ordnung!

Glitzerpuderelch – Die Lösung

Veröffentlicht: November 20, 2012 in Lehrlauf
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Lange habe ich gelitten, mir den Glitzerpuderelch versagt.
Dann habe ich erfahren, dass Glitzerpuderelche sooooo 2011 sind – da konnte ich keinen mehr wollen, klar.
Und jetzt habe ich sie entdeckt, die Lösung des Elch-Dilemmas! In Nürnberg am Hauptbahnhof:

Glitzerpuder ist out – 2012 hat man Vollglitzer! Den Elch hochaufgerichtet im Glitzerstrickpullover! Und dazu kombiniert man, tootal zen aber kulturgeschichtlich etwas verwirrt, den Buddha. Da wird gesorgt für Geschenke und das Seelenheil, was will man mehr.

Übrigens: Der Buddha ist mit Samtpuder!! Yes!

Glitzerpuderelch – Update

Veröffentlicht: November 12, 2012 in Lehrlauf, Uncategorized
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Stets der journalistischen Wahrheit auf der Spur habe ich mich heute dem Mysterium des Verschwindens des Glitzerpuderelchs gewidmet. Tatsächlich konnt ich feststellen, dass Glitzerpuder für Elche total out ist.

Elche gibt es zwar in Strick oder in Holz:

 

 

 

 

 

 

und in Blätterkram:
Aber wenn man Glitzerpuder will muss man die Ice Age-Route gehen

und ein Eichhörnchen auswählen.
Und ihr dachtet immer, ihr lernt hier im Lehrlauf nichts!!!

ICH WILL EINEN GLITZERPUDERELCH !!!!!!

Veröffentlicht: November 12, 2012 in Lehrlauf
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oder: Das Kreuz mit dem Zeug – Teil 3

Ist es nicht ein Kreuz mit dem Kapitalismus? Überall Versuchungen, überall Sachen, die man sich kaufen könnte, überall Kram, überall Glitzer, überall Vorweihnachten und dann der Schein, der im Geldbeutel so juckt, weil er unbedingt heraus will.

Dann die implizite Anweisung aus Politik und Wirtschaft, uns vom Abschwung weg zu shoppen, schließlich wollen wir ja kein zweites Griechenland werden, gell?!! Shoppen für Arbeitsplätze (wer hat eigentlich durch Shampoo-Verweigerung die Schleckerfrauen vor die Hunde gehen lassen? Verräter!!), shoppen für den Wohlstand, shoppen auch für den Weltfrieden??

Aber war da nicht die Umwelt? Die Meeresspiegel? Die Ausbeutung der Glitzerelchbepuderer, die auf einer Müllkippe in Bangladesh leben? Die Delfine, die am Plastikschrott in den Meeren zu Grunde gehen?

Was also tun? Und krieg ich meinen Glitzerpuderelch?
Obwohl – ein Blick ins Weihnachtsdekoschrottgeschäft belehrt mich eines Besseren: Glitzerpuderelche sind so 2011! Total out dieses Jahr… Manno…

Nur für kurze Zeit: Lehrlauf im neuen Gewand

Veröffentlicht: Oktober 6, 2012 in Lehrlauf

Bisher war der Lehrlauf angelegt als ein Blog, in dem ich mich als Teacher Chris primär zu schulischen Themen äußern wollte. Eine Plattform für einen regen Austausch zu schaffen bin ich ausgezogen – und bin trotzdem nicht überrascht festzustellen, dass es zu diesem Austausch nie so recht kam. Sicher, einige SchülerInnen und Kollegen haben meine Texte gelesen, aber zu einem Gespräch darüber kam es doch nur ganz selten. Lag’s an den Themen, die nur mich interessieren? Lag’s daran, dass jeder was Besseres zu tun hat, als sich auch außerhalb der Schule noch mit den Hirngespinsten der Lehrer rumzuschlagen? Lag’s daran, dass im Web 2.0 zwar jeder ein Autor sein kann, dass aber das noch lange keine Interaktivität bedeutet, weil alles im digitalen Niemandsland verhallt?

Egal!

Ich schicke Teacher Chris jetzt vollzeit in die Schule, soll sie doch sehen, wie sie da zurecht kommt, und ich selbst komme hier ins Blog zurück als Christiane Frey. Und wenn die ihre Gedanken zusammengesammelt hat und sich überlegt hat, was sie eigentlich mit diesem Blog will (wenn sie überhaupt etwas will…), dann gibt es auch wieder ein gescheites Layout. Bis dahin bleibt der Lehrlauf so unfertig, wie er im Moment aussieht…

Das Kreuz mit dem Zeug: Die Fortsetzung

Veröffentlicht: September 26, 2012 in Lehrlauf
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Wie kürzlich beschrieben kämpfe ich meinen tapferen Kampf gegen das Zeug. Stolz darf ich vermelden, dass ich seit dem letzten Zeug-Post jeder Versuchung zum Ankauf von neuem Zeug widerstanden habe. Und heute bin ich sogar noch einen Schritt weiter gegangen! Ich habe mich einer Zeug-Desensibilisierungstherapie unterzogen!

Gut, Desensibilisierung wendet man ja normalerweise an bei Allergieen oder Phobien, wo man sich dem problematischen Stoff Schritt für Schritt solange aussetzt, bis man daran gewöhnt ist. Bei Suchtkranken ist das wohl nicht ganz das Mittel der Wahl: „Schnupf noch ein bisschen Kokain, bis du endlich genug davon hast“.  Hmmm, funktioniert wohl nicht so ganz… Dennoch: Hier ein Eindruck von meiner ersten Therapiesitzung:

Die Damen kennen die Location wahrscheinlich, die Herren werden mehrheitlich nicht glauben, dass Orte voll solcher Schrecken existieren!  The mother of all Zeug! Da gibt es Kerzenzeuge, Vasenzeuge, Duftdingszeuge, Schreibzeuge (huch, ein echtes Wort), Geschirrzeuge, Dekozeuge, Geschirrtücherverzierzeuge, verglitzerte Tannenzapfenzeuge und natürlich ganz, gaanz viele Kissenzeuge.

Und ich habe widerstanden!! Yep, ich bin durchgelaufen, habe Aug in Aug mit verschiedensten Zeugen gestanden, eine mit Union Jack verzierte Keksdose im Vintage Look sogar in die Hand genommen, alle Postkartenzeuge studiert – und mich dann verächtlich lächelnd abgewendet und das Geschäft unbezeugt wieder verlassen.

Die nächste Therapiesitzung wird das ganze Konzept dann eskalieren: Zeugverweigerung im Weihnachtsdekohandel. Da brat mir doch einer einen mit Samtglitzerpuder überzogenen Chinaplastik-Elch!

Zum Schulanfang: Aus Teacher Chris wird Student Chris

Veröffentlicht: September 24, 2012 in Lehrlauf
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Zu Beginn jedes Schuljahr tausche ich die Seiten und werde Schülerin – in Gelenas Turnstunde! Natürlich heißt das Ding nicht Turnstunde sondern Power Gymnastik und die Lehrerin Gelena ist Russin! Ja genau, eine typische Russin: Mitte 30 und sieht aus wie 22, hat zwei Kinder und wiegt 50 Kilo, perfekte Haare, perfekte Fingernägel, auch nach gefühlten 500 Situps kein Tröpfchen Schweiß irgenwo und das lächelnd. Kurz und gut: Ich würde ihr bedenkenlos mein Leben anvertrauen. Und alles, was meine Figur ist, habe ich ihr zu verdanken.
Aber die Angst! Mein Herz setzt einen Schlag aus, wenn die Lehrerin zur Kontrolle vorbeikommt, um die Bauchmuskeln zu checken. Die Hoffnung, die Stunde möge zu Ende sein, bevor sie es zu mir geschafft hat (natürlich habe ich mich strategisch in der Mitte hinten aufgestellt, wo mein hervorragender Eifer zwar gut zu sehen, aber schlecht zu überprüfen ist). Aber sie kommt doch immer und wenn ihre Hand sich ausstreckt, um die Muskelspannung zu prüfen, bekomme ich einen kompletten Blackout. Aber die Erleichterung ist grenzenlos, wenn sie ohne weitere Kommentare zum nächsten Opfer weiterzieht!

Auch sonst lege ich allerhand schülerspezifische Verhaltensweisen an den Tag.
Sobald die Lehrerin nicht guckt, mache ich nichts mehr.
Selbst wenn die Lehrerin guckt, versuche ich, so wenig wie möglich zu machen, schließlich muss ich sie für ihre Autoritätsposition bestrafen.
Dazwischen jammere ich heftig.
Eigentlich will ich auch noch schauen, ob ich’s besser kann als die Anderen – aber bei Gelena geht’s so schnell, dass ich dazu noch keine Gelegenheit gefunden habe.

Aber dann erinnere ich mich des fantastischen Motivationsunterricht, den ich im letzten Schuljahr besucht – äh gehalten habe und weiß, dass ich ja alles nur für mich selbst tue und dass jeder sein eigenes Lern-   äh Sporterlebnis konstruieren muss. So schwitz ich halt, mache Situps, Squats und Stretching und lächle wenigstens innerlich. Und wenn ich in den nächsten Tagen gequält schaue, ohne dass jemand das und dass verwechselt hat oder bei hesheit das s nicht mitgenommen hat, dann liegt es wohl am Muskelkater…