Archiv für Mai, 2013

Enttäuschte Liebe

Veröffentlicht: Mai 6, 2013 in Uncategorized

Ich wollte sie lieben! Wirklich, ich habe mir alle Mühe gegeben, ich war nicht leichtfertig, ich habe mir Zeit genommen, aber aus der ersten Leidenschaft ist keine dauerhafte Liebe geworden, wir werden wohl wieder getrennte Wege gehen, die Ebooks und ich.
Freilich, Ebooks haben viele Vorteile: Schnell und leicht kann man an neuen Lesestoff kommen, nur mit ein paar Klicks beamen sich Bücher über Bücher auf den Ebook-Reader. So kann man seine ganze Bibliothek mit sich herumtragen, und ist nicht, wie früher der Bildungsspießer auf die Goetheausgabe mit Goldschnitt in Kunstledereinband angewiesen, die zur Hochzeit angeschafft wurde und von den Enkeln nach der Beerdigung ungelesen auf Amazon wieder eingestellt wird.
Gerade wenn man, wie ich, gerne auch Bücher in anderen Sprachen liest, ist das eingebaute Wörterbuch unglaublich praktisch: Man kommt zu den Worterklärungen einfach direkt durch Klicken im Text – wie genial ist das denn?!
Und dann wollte ich ja auch Trendsetter sein: Erst ein Drittel aller Buchhandlungen bietet Ebook überhaupt an, da wollte ich nicht fehlen.

Wie gesagt, ich habe es versucht, aber so recht sind die Ebooks und ich nie zusammen gekommen.

Schon beim Bestellvorgang muss ich mich immer aufregen, wenn ich wegen der Buchpreisbindung für eine Datei genauso viel bezahlen soll wie für ein gedrucktes Buch. Wieso für weniger das Gleiche bezahlen?
Und das Weniger ist ja viel weniger! Schließlich bekommt man für sein Geld ja nicht einmal eine Datei, sondern nur das Recht, eine Datei zu benutzen. Verschenken, verleihen, weitergeben kann ich mein Ebook nicht, dafür sorgen die Verlage mit ihrem DRM (Management der digitalen Rechte).
Dafür bedienen sie sich aber reichlich an meinen Daten, und zwar ohne zu fragen: Welche Bücher ich kaufe, welche Stellen ich markiere, wo ich kommentiere, all das merken sich die Verlage in einer Datenbank, die der User weder ein- und durchblicken kann. Und wozu das alles? Natürlich des Geldes wegen: Die Verlage benutzen die Userdaten, um ihnen mehr und genauere Kaufempfehlungen für Bücher zu geben, auf dass die Generation Klick auf die digitalen Verheißungen ebenso hereinfalle wie die Lemminge auf die nächste Klippe.
Aber den Ausschlag für meine Desillusionierung über das Ebook gab dann doch wieder die Liebe, die Liebe zum gedruckten Buch nämlich, zum Geruch des Papiers, der schon etwas über die Geschichte des Buchs verrät, dem Geräusch der Seiten beim Umblättern, den Eselsohren, Falten und Notizen, die dem Buch Vergangenheit geben.

Natürlich ist ein Ebook praktischer, das weiß auch ich. Aber ist Liebe praktisch, pragmatisch? Nein,  natürlich nicht. Aber wollen wir nicht doch alle Liebe? Sie ist das pralle Leben, sie ist erhaben (Faust mit kollorierten Illustrationen), berauschend (Rotweinflecken auf dem Einband), manchmal schmerzhaft (Badewanne!!) und damit einfach wie das Leben selbst. Und deswegen, so glaube ich, werden wir auch das gedruckte Buch weiter lieben!

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