Abi 2011 am HKK

Veröffentlicht: Juni 20, 2011 in Lehrlauf
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Das erste G8-Abitur bayernweit und natürlich auch am HKK ist nun Geschichte, und ich habe das zum Anlass genommen, mir die Statistiken einmal anzuschauen.

Am HKK sind 41 Schülerinnen und Schüler zur Abiturprüfung angetreten, davon haben 36 bestanden. Die Zahl von fünf Durchfallern ist wirklich ungewöhnlich hoch – in den vergangenen Jahren hatten wir ein, vielleicht zwei Durchfaller, aber bei meist deutlich größeren Jahrgängen.
Ein Grund für dieses Besorgnis erregende Ergebnis ist schnell gefunden: Noch nie (Dinosaurier ausgenommen :-)) mussten alle Abiturienten schriftliche Prüfungen sowohl in Deutsch als auch in Mathe machen und so weit ich weiß, sind alle Durchfaller an den schlechten Noten in einem oder beiden dieser Fächer gescheitert.  In „meinem“ Fach Deutsch ist es aber völlig normal, dass jemand, der sich schriftlich nicht gut ausdrücken kann, nicht die geforderte Hürde von 4/5 Punkten schafft, obwohl er in einer mündlichen Prüfung oft passabel abschneiden könnte. Hier bekommen Abiturienten im G8 also schlechtere Noten als im G9 und das hat unter Umständen nichts mit dem Ausbildungsstand, sondern ausschließlich mit den veränderten Prüfungsformen zu tun.
Auch an den normalen Gymnasien ist die Zahl der Durchfaller gestiegen, und zwar von bisher 1 Prozent auf nunmehr  2 Prozent (siehe dieser Artikel in der Süddeutschen Zeitung ). Dies nimmt sich natürlich fast rührend aus gegenüber der Quote von über 12 (!!) Prozent, die bei uns am Kolleg das Abitur nicht bestanden haben.

Da schluckt man als Lehrer schon erst mal: Sind unsere Schüler wirklich 6mal so schlecht wie die Schüler der normalen Gymnasien?

Nein, glücklicherweise nicht, denn die Abiturdurchschnittsnote am HKK von etwa 2,3 ist ganz ähnlich der bayernweiten, die bei zwischen 2,3 und 2,3 liegt und damit etwas besser als der langjährige Durchschnitt im G9. Der Trend geht in Bayern dahin, dass es deutlich mehr sehr gute Abschlüsse (solche mit einer 1 vor dem Komma) gibt, und das trifft auf auf das Kolleg zu, wo sechs Schülerinnen und Schüler stolz auf so ein Superzeugnis sein können. Allerdings gab es bei uns deutlich weniger echte Spitzenzeugnisse (1,0 bis 1,5) als bayernweit.

Was ist also das Fazit? Notenmäßig hat das G8 sich bewährt für die, die die Abiturprüfung schaffen, die Abschlüsse werden tendenziell besser. Die Hürde für das Bestehen scheint aber auch höher zu liegen als beim G9 und vor allem scheint diese Hürden den Kollogiatinnen und Kollegiaten viel mehr Schwierigkeiten zu machen, als den Schülerinnen und Schülern der normalen Gymnasien.

Woran liegt das? Warum tun sich unsere Studierenden so viel schwerer, das Abitur zu bestehen, als 17-jährige Kinder? Eure Antworten würden mich sehr interessieren und vor allem auch helfen, die nächste Generation an Abiturienten besser vorzubereiten.

Schon mal vielen Dank im Voraus für zahlreiche Rückmeldungen!

 

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Kommentare
  1. Juan Alcornoque sagt:

    Hi Chris,
    Ich halte es grundsätzlich für eher schwierig die „normalen“ Abiturienten und die „HKKler“ miteinander zu vergleichen. Das liegt zunächst an den meist komplett unterschiedlichen Lebensumständen von den beiden Spezies.
    Denn die regulären Abiturienten leben meist noch Daheim und müssen nicht für ihren Lebensunterhalt sorgen und haben im Durchschnittsalter von 17 Jahren im ABi- Jahrgang, außer regelmäßig mit dem von Mamma und Pappa gesponsorten Iphone rumzudaddeln, meist noch relativ wenig Verpflichtungen.
    Dagen müssen viele Schüler auf dem HKK, Aufgrund der unglaublich hohen Summe, welche das Bafög darstellt, nebenbei Jobben, um für ihren Lebensunterhalt zu sorgen. Weiterhin haben viele meiner Mitschüler weitere Verpflichtungen wie zum Beispiel Familie und Kinder. Man hat dadurch grundsätzlich weniger Zeit, um sich auf die Schule vorzubereiten, es fällt dann oft einem schwer, Defizite aufzuholen oder sich auf das Abitur in angemessener Weise vorzubereiten – eine Tatsache die leider vom Bildungssystem ignoriert wird.

    Somit gibt es bei einen HKKler unter Umständen wesentlich mehr Variablen, welche sich schnell negativ auf den Lernerfolg und auf die Leistung im Abitur auswirken können. Da sind dann schnell viele schlechte Zensuren geschrieben und die Motivation ist im Keller. Das es unter diesen Rahmenbedingungen und mit den zusätzlichen Hürden, welche das mit heißer Nadel genähte G8 mitgebracht hat, schwer ist das Abitur zu bestehen oder gar sehr gute Leistungen zu bringen ist wohl klar.
    Es daher essenziell wieviel der Schüler aus den Unterricht mitnimmt und ich denke hier ist auch der „Hund begraben“.
    Denn nimmt ein Großteil der Schüler „Nichts“ aus den Unterricht mit, so ist es dann fast unmöglich, in der Freizeit, die so entstandenen Wissenlücken nachzuholen, um zumindest in die „schwarzen Zahlen“ zu kommen. Exemplarisch für diesen Zusammenhang war mein Deutschkurs.
    Da es in meinen Deutschkurs seitens der Lehrkraft und der Schüler in den letzten zwei Jahren nicht besonders um die Motivation bestellt war und der Unterricht mildegesagt nicht vorhanden war, schnitt der Kurs im „internen“ Vergleich zum Parallelkurs auch wesentlich schlechter ab- eine Tatsache die nun wenig mit der G8- Reform
    zu tun hat.
    Auch die gutgemeinten Versuche des Duos Frey / Grunau, einigen Freiwilligen, welche sich mit ihren Schicksal noch nicht abgefunden haben, kurz vor dem Abi zumindest ein Paar Wissenfetzen zu vermitteln, konnten so kurzfristig natürlich nicht mehr fruchten. An dieser Stelle bin ich der Meinung das man durchaus durch einen guten und auf Förderung ausgelegten Unterricht, den es auch durchaus in einigen Fächern auf den HKK gibt, sogar einen schelchten Schüler in zwei Jahren soweit bringen kann, dass er zumindest knapp der Unterpunktung im Deutschabi entkommt, zumal wenn die Klassenstärken gegenüber den normalen Gymnasium wesentlich kleiner sind. Da natürlich das Gegenteil passierte, standen Einige nach den durchaus anspruchsvollen Deutschabi mit einen Fuß draußen. Einige hatten das Glück (mich incl.) den Rest einigemaßen hinzukriegen und das Abi dann so zu schaffen.
    Untern Strich wäre es also zu simpel ausschließlich die G8- Reform und EHEC für die höher gewordene Durchfallquote im diesjährigen Abiturjahrgang auf dem Kolleg verantwortlich zu machen. Vielmehr setzt sich die Antwort auf die Frage nach dem „Warum“ aus vielen Puzzlestücken zusammen.
    Wie von dir angeführt konnten vor der G-8 Reform stark naturwissenschafftlich geprägte Schüler das Fach Deutsch umschiffen bzw. die sprachlich geprägten Mathe, was natürlich einige Schüler, die dieses Jahr nicht bestanden haben, hätte bestehen lassen.
    Dass die Durchfallquote im Vergleich zwischen den regulären Gymansium und dem HKK, beim ersten G-8 Abi am HKK wesentlich höher ist , deutet schon an, dass es nicht ausschließlich am G8 oder höherem Konsum von spanischen Gurken oder Sprossen am HKK liegen kann. Zunächst gibt es auf den regulären Gymnasium vesentlich stärkere Jahrgänge, daher fällt die Anzahl derjenigen, welche nicht bestanden haben bei der Berechnung des Prozentwertes nicht so sehr ins Gewicht. Weiterhin denke Ich, es sind vor allem jedoch die oben erwähnten Besonderheiten des Kollegs und seiner Besucher bzw. die Tatsache dass in der Abiturvorbereitung vor allem im Deutschunterricht sehr viel schief gelaufen ist.

    Ich hoffe ich habe Hamburger, Pommes und Cola richtig angewendet 😉

    MFG Juan Alcornoque

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